STRATEGIEN DER TRANSPARENZ
Zwischen Emanzipation und Kontrolle
UmBau24, Österreichische Gesellschaft für Architektur & Institut für Architekturwissenschaften, Abteilung für Architekturtheorie, TU Wien (Hg.), Verlag Anton Pustet, Salzburg, 2008
UmBau 24, Theorieteil kuratiert von Christian Teckert: mit künstlerischen Beiträgen von Sabine Bitter & Helmut Weber, Texten von Oksana Bulgakowa, Annette Fierro, Jörg Gleiter, Tom Holert und Christian Teckert
Transparenz jenseits der Sichtbarkeit
Kaum ein Begriff in der Alltagssprache der Architektur ist, wenn es um die Beschreibung der als positiv verbuchbaren Eigenschaften gegenwärtiger Gebäude geht, populärer als die vielbeschworene „Transparenz“. Auf allen Ebenen, von der Unternehmensorganisation über die Aussenwirkung von Institutionen bis hin zur Architektur ist die Rede von einem „mehr an Transparenz“. Hier scheint ein schon einmal in die Krise geratenes Paradigma der klassischen Moderne wieder auferstanden zu sein, allerdings unter veränderten Vorzeichen. Ging es Anfang des 20. Jahrhunderts um das emanzipatorische Versprechen einer offenen, modernen Gesellschaft und die Auflösung von Dichotomien zwischen Innen und Außen, so kann man heute geradezu von einem gesellschaftlichen Druck zur inszenierten Zurschaustellung von Sichtbarkeit sprechen, angesichts dessen Transparenz oft den Status einer Maskierung, eines Images einnimmt.