Eastern Promises

Das Versprechen einer sozialen Ästhetik in der Architektur Ostasiens.

Erschienen in: Christoph Thun-Hohenstein, Andreas Fogarasi, Christian Teckert (Hg.), "Eastern Promises. Zeitgenössische Architektur und Raumproduktion in Ostasien", MAK Wien/Hatje Cantz, Ostfildern 2013


(Auszug)

Seit Jahrhunderten bietet der Blick aus dem Westen in den Osten eine Projektionsfläche für alle nur erdenklichen Begehren, Hoffnungen, aber auch Ängste und Klischees. Edward Said's Buch "Orientalism"[1] hat am Beispiel des Nahen Ostens die Konstruktion des Okzidents als Produkt einer Abgrenzung vom Orient dekonstruiert. In diesem Sinne ist auch der Blick in den fernen Osten im Rahmen des Projektes "Eastern Promises" vom Habitus einer Auseinandersetzung mit dem kulturell "Anderen" geprägt.     

 

Orientalismus und die Ästhetik der Moderne  

 

In der Architektur lässt sich eine lange Tradition der gegenseitigen Beeinflussung, aber spätestens seit dem frühen 20. Jahrhundert eine intensivierte Auseinandersetzung mit dem jeweils anderen Kulturraum beobachten. Vor allem die Rezeption der japanischen Architektur durch europäische und amerikanische Architekten wie Bruno Taut[2] und Frank Lloyd Wright[3] hatte bahnbrechende Wirkung. (siehe dazu auch Julian Worrall in dieser Publikation) Die über viele Jahrhunderte in strenger Isolation entwickelte Ästhetik des japanischen Hauses wurde als Modellfall und Prototyp der Ästhetik der Moderne in der Architektur gefeiert. Vor allem die Publikationen Bruno Taut's zu seiner Interpretation der Villa Katsura und dem Ise Schrein als eine Inkunabel des Modernismus führten bei entscheidenden Proponenten der westlichen Architektur zu der Überzeugung, dass "die japanische traditionelle Architektur mit den Augen der westlichen Moderne gesehen eine ihr ebenbürtige, ihre Ästhetik jedoch um 3 Jahrhunderte vorwegnehmende, künstlerische Leistung darstelle."[4]  

 

Allerdings – diese als asiatisch oder hier noch spezifischer – als japanisch gehandelte Ästhetik kann aus heutiger Perspektive nur unter den Bedingungen eines gegenseitigen Blicks von Außen auf das kulturell je Andere verstanden werden. Auch Arata Isozaki – als Architekt einer der wichtigsten Vertreter Japans Ende des 20. Jahrhunderts, aber auch als kritischer Theoretiker der japanischen Ästhetik von entscheidender Bedeutung – wies in seiner Publikation "Japan-ness in Architecture" darauf hin, dass der Blick von Außen, der "external gaze" von instrumenteller Bedeutung für die Konstruktion und Festigung einer schon im Entstehen begriffenen japanischen modernistischen Bewegung war. Taut's euphorische Beschreibungen der Villa Katsura erscheinen hier nicht zuletzt dem klug gewählten Besichtigungsprogramm jener japanischer Architekten geschuldet, die Taut für ihre rationalistische Bewegung gewinnen wollten, die nach Isozaki folgende Charakteristika anstrebten: "exposed materials, elimination of decorative detail, and orthogonal composition with movable partition walls, among other features."[5]

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Link zur Publikation hier.

 

[1] siehe dazu: Edward Said: Orientalism, Vintage Books, 1979

[2] siehe dazu: Bruno Taut: Das japanische Haus und sein Leben, 1937; als Nachdruck: Gebrüder Mann, 1997

[3] siehe dazu: Kevin Nute: Frank Lloyd Wright and Japan, Routledge 2000

[4] aus: Manfred Speidel: Träume vom Anderen, in: Archimaera Nr.1, "Fremd Sehen", S. 82
[5] aus: Arata Isozaki: Japanese Taste and Its Recent Historical Construction; in: Arata Isozaki: Japan-ness in Architecture. MIT Press 2006, S. 12