Display als Dispositiv

Die Ideologie der Ausstellung als Thema zeitgenössischer Architektur

Erschienen in: „Kunstforum“, Band 186, Juni-Juli 2007


(Auzug)

Mit dem imagepolitischen Erfolg des spektakulären Guggenheim Museums von Frank Gehry in Bilbao wurde die Relevanz von Ausstellungsgebäuden als ein entscheidender Faktor im Rahmen eines Städtewettbewerbs deutlich. Solche „weiche Standortfaktoren“ sind von zunehmender Relevanz. Der „Bilbao-Effekt“ dient gerne als Leitbild einer neuen Welle von Museumsneubauten der letzen Jahre, die von einer deutlichen Ökonomisierung des Kulturellen geprägt sind. Denn wie in Bilbao werden zwar in den repräsentativen Hüllen unterschiedlichste gegenwärtige Architektursprachen durchdekliniert. Im Inneren aber sind meist erstaunlich gleichförmige Raumstrukturen für die Präsentation der Kunst anzutreffen. Die Frage stellt sich: Nach welchen Prämissen, Leitbildern und Ideologien werden Räume für eine gegenwärtige Kunstproduktion, aber auch für zeitgemäße Präsentationsformen musealer Kunst gestaltet?  

 

Flexibilität und Neutralität

 

Die Unklarheit darüber, was denn nun der „richtige“ räumliche Rahmen für die Kunst wäre, führt zu zwei möglichen Reaktionen, die zumeist Hand in Hand gehen. Erstens zu dem Wunsch nach größtmöglicher Flexibilität. Zweitens zu der Forderung nach Neutralität in den Ausstellungsräumen. Die künstlerische Intervention oder die kuratorische Handschrift, mitunter in Verbindung mit der spezifisch entwickelten Ausstellungsarchitektur, soll temporär den Raum durchgestalten. Das Begehren nach spektakulären Räumen und Materialien von Seiten der Architektur entlädt sich dann – zumindest in vielen der gegenwärtigen Museumsbauten – in den imagepolitisch hochgerüsteten Fassaden und in den Bereichen der Foyers, wo sich allerorten die Strategie der Überwältigung des Betrachters durch schiere Größe und Aura beobachten lässt. Das Anwachsen einer multifunktionalen, aufgeblähten Hülle der Museumsbauten korreliert mit einer zunehmenden Ökonomisierung und Kommerzialisierung von Kultur, die zusehends unter den Druck von Marketingstrategien gerät. Diesen Zonen des Konsums gilt die Aufmerksamkeit der Architektur, während die ehemaligen Kernbereiche der Ausstellungsbauten, die Ausstellungsräume mit einer persistenten Selbstverständlichkeit als weiße Boxen mit Lichtdecke gestaltet werden, sozusagen als konventionalisierte Pflichtübung. Erstaunen muss diese Hegemonie der weißen Zellen, die auch wieder verstärkt im Bereich privater Galerien zu beobachten ist, um so mehr, als die Kritik an der ideologischen Figur des White Cube nicht gerade neu ist.

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